Der kleine Schutzengel

Beitrag einer Teilnehmerin beim digitalen Café Tod am 1. April 2021

Die Geschichte vom kleinen Schutzengel

Es saß einst ein großer, weiser Engel auf einer großen Wolke und schaute stumm auf die Erde hinunter. Plötzlich flog ein kleiner Engel vorbei und setzte sich auf die Wolke neben den Großen. „Hallo, warum schaust Du Löcher in die Luft?“ Der weise Engel schmunzelte: „Ich starre keine Löcher in die Luft, ich warte, mein Kind, ich warte.“ „Worauf wartest Du denn?“ Das Engelskind ward ungeduldig und flog in kleinen Kreisen um den großen Engel herum. „Ich warte darauf, von einem Menschen gebraucht zu werden.“

„Von einem Menschen …?“ Davon hatte der kleine Engel noch nie etwas gehört. Neugierig setzte er sich wieder neben den großen Engel. „Erzähle mir bitte mehr davon.“

„Schau, kleiner Engel, das ist so: Normalerweise brauchen uns die Menschen da unten nicht. Sie leben ihr eigenes Leben – oft glücklich und zufrieden, mit großen und mit kleinen Sorgen. Es kommt aber immer mal wieder vor, dass ein Mensch unseren Schutz und unsere Hilfe braucht.“ „Aber wie erfährst Du, dass man Dich braucht?“ „Das spüre ich dann. Sobald ein Mensch in Not ist und meine Hilfe braucht, fängt mein linker Flügel an zu zucken. Dann weiß ich, dass ich mich auf den Weg machen muss.“

In dieser Nacht schlief der kleine Engel schlecht. Er dachte immer daran, was ihm der weise Engel von den Menschen erzählt hatte. Unruhig wälzte er sich unter seiner flauschigen Wolkendecke hin und her. Plötzlich spürte er ein ganz eigenartiges, ungewohntes Zucken im linken Flügel. Das Engelkind wollte es kaum glauben, dass nun seine Zeit zu helfen gekommen war. Mit einem Lächeln im Gesicht und großer Vorfreude machte es sich auf den Weg zu Erde …

Quelle: Deutsche Krebshilfe e.V., Bearbeitet von Ute Geffers-Kleinbach, 2014